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Gonarthrose: Ein umfassender Leitfaden zu Kniearthrose

Inhaltsverzeichnis

    Die Gonarthrose, allgemein als Kniearthrose bekannt, ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen in Deutschland. Es handelt sich um eine degenerative Erkrankung, bei der der Gelenkknorpel im Kniegelenk fortschreitend abgebaut wird. Laut Daten des Robert Koch-Instituts (Studie GEDA 2014/2015-EHIS) liegt die bekannte Prävalenz von Arthrose bei Erwachsenen in Deutschland bei etwa 17,9 %, wobei das Kniegelenk zu den am häufigsten betroffenen Gelenken zählt. Die Erkrankung kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, doch ein genaues Verständnis der Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten versetzt den Patienten in die Lage, aktiv an der Verbesserung seiner Gesundheit mitzuwirken. Präzises Wissen ist ein wesentlicher Schritt, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die eigene Mobilität zu schützen.

    Die Erkrankung verstehen

    Gonarthrose ist eine chronische, langsam fortschreitende Gelenkerkrankung. Im Zentrum des Geschehens steht der Gelenkknorpel, eine glatte, elastische Schicht, die die Knochenenden im Kniegelenk überzieht und als Stoßdämpfer dient. Bei einer Arthrose wird dieser Knorpel zunehmend dünner, rauer und rissiger. Im fortgeschrittenen Stadium kann der Knorpel vollständig abgerieben sein, sodass Knochen auf Knochen reibt. Dieser Prozess führt zu Schmerzen, Entzündungen und einer Versteifung des Gelenks.

    Die Ursachen sind vielfältig und oft multifaktoriell. Man unterscheidet zwischen primärer Gonarthrose, bei der keine klare Ursache erkennbar ist und oft ein altersbedingter Verschleiß angenommen wird, und sekundärer Gonarthrose, die als Folge anderer Einflüsse entsteht. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

    • Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Lebensalter.
    • Genetische Veranlagung: Eine familiäre Häufung ist bekannt.
    • Überlastung durch Übergewicht: Jedes zusätzliche Kilogramm Körpergewicht vervielfacht die Belastung auf die Kniegelenke.
    • Frühere Verletzungen: Schäden am Meniskus, an den Kreuzbändern oder Knochenbrüche im Gelenkbereich können Jahre später eine Arthrose begünstigen.
    • Fehlstellungen der Gelenkachse: Angeborene oder erworbene O-Beine (Varusstellung) oder X-Beine (Valgusstellung) führen zu einer ungleichmäßigen Belastung des Knorpels.
    • Berufliche oder sportliche Überlastung: Dauerhafte, schwere Belastungen, etwa durch kniende Tätigkeiten oder bestimmte Leistungssportarten, erhöhen das Risiko.

    Die Erkrankung wirkt sich direkt auf den Alltag aus, indem sie alltägliche Bewegungen wie Gehen, Treppensteigen oder das Aufstehen aus einem Stuhl schmerzhaft und mühsam macht.

    Symptome und Diagnose

    Die Symptome der Gonarthrose entwickeln sich typischerweise schleichend über Monate oder Jahre. Nicht jeder Patient erlebt alle Symptome in gleicher Ausprägung. Zu den charakteristischen Anzeichen gehören:

    • Anlaufschmerz: Schmerzen zu Beginn einer Bewegung, die nach einigen Schritten nachlassen.
    • Belastungsschmerz: Schmerzen, die während oder nach längerer Belastung wie Gehen oder Stehen auftreten.
    • Ruheschmerz: Schmerzen im fortgeschrittenen Stadium, die auch in Ruhephasen oder nachts auftreten.
    • Gelenksteifigkeit: Besonders am Morgen oder nach längerem Sitzen fühlt sich das Knie steif an.
    • Gelenkschwellung: Oft verbunden mit einem Wärmegefühl, als Zeichen einer aktivierten Arthrose mit Entzündung.
    • Hör- und fühlbare Reibegeräusche (Krepitationen): Ein Knirschen oder Knacken bei Bewegung des Gelenks.
    • Bewegungseinschränkung: Die Fähigkeit, das Knie vollständig zu beugen oder zu strecken, nimmt ab.
    • Gefühl der Instabilität: Das Knie fühlt sich unsicher an oder "gibt nach".

    Die Diagnose wird durch einen Arzt, meist einen Orthopäden, gestellt. Der diagnostische Prozess umfasst in der Regel:

    1. Anamnese: Der Arzt erfragt detailliert die Art, Dauer und den Ort der Beschwerden, frühere Verletzungen und bekannte Risikofaktoren.
    2. Körperliche Untersuchung: Der Arzt tastet das Knie ab, prüft auf Schwellungen, Druckschmerzpunkte, Bewegungsumfang, Gelenkstabilität und Muskelkraft. Das Gangbild wird ebenfalls beurteilt.
    3. Bildgebende Verfahren:
      • Röntgenaufnahme: Dies ist das Standardverfahren. Es zeigt typische Arthrosezeichen wie eine Verschmälerung des Gelenkspalts (als indirektes Zeichen für Knorpelverlust), knöcherne Anbauten (Osteophyten) und Veränderungen des Knochens unter dem Knorpel.
      • Magnetresonanztomographie: Dieses Verfahren wird seltener für die reine Arthrosediagnose benötigt, kann aber sinnvoll sein, um Begleitschäden an Menisken, Bändern oder dem Knorpel selbst detailliert darzustellen oder andere Ursachen für die Knieschmerzen auszuschließen.
      • Ultraschall (Sonographie): Kann zur Darstellung von Gelenkergüssen und Veränderungen an der Gelenkschleimhaut eingesetzt werden.

    Eine sorgfältige Differentialdiagnose ist wichtig, um die Gonarthrose von anderen Erkrankungen wie einer rheumatoiden Arthritis, Gicht oder einer reinen Meniskusverletzung abzugrenzen.

    Behandlungswege

    Die Behandlung der Gonarthrose ist darauf ausgerichtet, Schmerzen zu lindern, die Gelenkfunktion zu erhalten oder zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die Therapie erfolgt stufenweise und wird individuell angepasst. Ein zentrales Element ist die gemeinsame Entscheidungsfindung zwischen Patient und Arzt.

    Konservative (nicht-operative) Behandlung:

    Dies ist die Grundlage jeder Therapie.

    • Bewegung und Physiotherapie: Regelmäßige, gelenkfreundliche Bewegung wie Radfahren, Schwimmen oder Wassergymnastik ist entscheidend. Eine gezielte Physiotherapie stärkt die kniestabilisierende Muskulatur, verbessert die Beweglichkeit und Koordination.
    • Gewichtsreduktion: Bei übergewichtigen Patienten ist die Gewichtsabnahme die wirksamste Maßnahme zur Schmerzreduktion und Entlastung des Gelenks.
    • Medikamentöse Therapie:
      • Nichtsteroidale Antirheumatika: Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac wirken sowohl schmerzlindernd als auch entzündungshemmend. Sie können als Salbe oder Gel lokal aufgetragen oder als Tablette eingenommen werden. Sogenannte Coxibe sind eine weitere Option mit potenziell besserer Magenverträglichkeit. Die Einnahme sollte wegen möglicher Nebenwirkungen immer mit einem Arzt abgestimmt sein.
      • Intraartikuläre Injektionen: In das Gelenk gespritzte Substanzen können temporär helfen. Kortikosteroide wirken stark entzündungshemmend und können bei akuten Schmerzepisoden Linderung verschaffen. Hyaluronsäure soll die Gleitfähigkeit im Gelenk verbessern, ihr Nutzen ist jedoch wissenschaftlich umstritten und wird nicht von allen Leitlinien empfohlen. Da eine intraartikuläre Injektion immer auch ein großes Risiko darstellen, sollte eine Entscheidung immer gut abgewogen werden.
    • Orthopädische Hilfsmittel: Schuheinlagen können Fehlstellungen korrigieren. Kniebandagen oder Orthesen können das Gelenk stabilisieren und entlasten. Gehstöcke oder Unterarmgehstützen reduzieren die Belastung für das  betroffene Gelenk. .

    Operative Behandlung:

    Eine Operation wird in Betracht gezogen, wenn die konservativen Maßnahmen die Schmerzen und die Funktionseinschränkung nicht mehr ausreichend kontrollieren.

    • Arthroskopie (Gelenkspiegelung): Wird heute bei reiner Gonarthrose nur noch selten und in ausgewählten Fällen (z. B. bei mechanischen Blockaden) durchgeführt.
    • Umstellungsosteotomie: Bei jüngeren, aktiven Patienten mit Achsfehlstellung (O- oder X-Bein) kann eine operative Korrektur der Beinachse den betroffenen Gelenkanteil entlasten und den Gelenkersatz hinauszögern.
    • Gelenkersatz (Endoprothetik): Wenn das Gelenk weitgehend zerstört ist, kann es durch eine Prothese ersetzt werden. Je nach Ausmaß des Schadens kommt eine Teilprothese (Schlittenprothese) oder eine Totalendoprothese (kompletter Oberflächenersatz) zum Einsatz. Dies ist eine sehr erfolgreiche Operation zur Wiederherstellung der Lebensqualität.

    Rehabilitation und Alltagsmanagement

    Die Bewältigung der Gonarthrose erfordert sowohl strukturierte medizinische Maßnahmen als auch eine langfristige Anpassung des Lebensstils. Es ist wichtig, zwischen der formalen Rehabilitation und der allgemeinen, alltäglichen Genesung zu unterscheiden.

    Die Rehabilitationsphase

    Eine formale Rehabilitation, oft als Anschlussheilbehandlung nach einer Operation (z. B. Kniegelenkersatz) bezeichnet, findet stationär in einer Reha-Klinik oder ambulant in einem Therapiezentrum statt. Das Ziel der Rehabilitation ist die schnelle und sichere Wiederherstellung von Funktion und Selbstständigkeit. Die Kernkomponenten sind:

    • Physiotherapie: Intensives Training zum Aufbau von Muskelkraft, zur Verbesserung des Bewegungsumfangs, zur Schulung eines sicheren Gangbildes (auch auf Treppen) und zur Förderung der Koordination.
    • Ergotherapie: Training von Alltagsaktivitäten unter Gelenkschutzprinzipien, Beratung zur Anpassung des Wohnumfelds und Anleitung zum korrekten Gebrauch von Hilfsmitteln.
    • Physikalische Therapie: Anwendungen wie Lymphdrainage zur Reduzierung von Schwellungen oder Kälteanwendungen zur Schmerzlinderung.
    • Patientenschulung: Vermittlung von Wissen über die Erkrankung, Trainingsprinzipien für zu Hause und Strategien zur langfristigen Alltagsbewältigung.

    Langfristige Genesung und Alltagsmanagement

    Die Genesung ist ein fortlaufender Prozess, der weit über die formale Reha hinausgeht. Es geht darum, das Gelernte in den Alltag zu integrieren und die Lebensqualität dauerhaft zu sichern.

    • Selbstmanagement: Das eigenständige und regelmäßige Fortführen der erlernten Übungen ist der Schlüssel zum langfristigen Erfolg.
    • Gelenkschonender Lebensstil: Vermeiden Sie Aktivitäten mit hoher Stoßbelastung (z. B. Joggen auf Asphalt, Stop-and-Go-Sportarten). Bevorzugen Sie flüssige Bewegungsabläufe und vermeiden Sie langes Hocken oder Knien.
    • Anpassung von Sport und Hobby: Suchen Sie nach alternativen Aktivitäten, die Freude bereiten und die Gelenke schonen. Radfahren und Schwimmen sind oft ideal.
    • Chronisches Schmerzmanagement: Lernen Sie Strategien zum Umgang mit chronischen Schmerzen, die über die reine Medikamenteneinnahme hinausgehen (z. B. Entspannungstechniken, dosierte Bewegung).
    • Regelmäßige ärztliche Kontrolle: Regelmäßige Nachsorgetermine beim Arzt helfen, den Verlauf zu überwachen und die Therapie bei Bedarf anzupassen.

    Caspar Health und Unterstützung bei Gonarthrose

    Im Rahmen der orthopädischen Nachsorge und des langfristigen Managements bietet Caspar Health mit ihrer digitalen Therapieplattform Caspar in Verbindung mit der Caspar Clinic eine besondere Form der Betreuung an: die kombinierte Versorgung. Dieses Modell verbindet die Flexibilität einer digitalen Anwendung mit der persönlichen und kontinuierlichen Betreuung durch ein multiprofessionelles Behandlungsteam. Jeder Patient erhält einen festen Therapeuten, seinen Bezugstherapeuten, der ihn über den gesamten Nachsorgezeitraum persönlich begleitet. Zudem sind erfahrene Ärzte verschiedener Fachdisziplinen in der Caspar Clinic tätig. Diese können den Bezugstherapeuten und die Patienten während der Nachsorge unterstützen, z.B. bei Fragen zum Heilungsverlauf oder Veränderungen des Gesundheitszustandes.

    Der entscheidende Unterschied zu anderen Gesundheits- oder Trainings-Apps ist, dass nicht der Patient oder eine Künstliche Intelligenz die Übungen auswählt. Stattdessen erstellt der persönliche Therapeut in Abstimmung mit dem Patienten einen individuellen Therapieplan, der auf die Bedürfnisse des Patienten mit Gonarthrose zugeschnitten ist. Das Ziel sollte dabei sein, die Schmerzen zu reduzieren, die Gelenkfunktion zu verbessern und die kniestabilisierende Muskulatur zu kräftigen. Die Übungen werden vom Patienten selbstständig zu Hause durchgeführt. Treten eine Zunahme der Gelenkschwellung, starke Schmerzen während oder nach den Übungen auf oder fühlt sich der Patient durch die Übungsauswahl überfordert, ermöglicht die Feedback- und Chatfunktion der Plattform den Patienten, Rückmeldung zu ihrem Befinden und ihren Fortschritten zu machen. Auf Basis dieses Feedbacks passt der Therapeut den Therapieplan kontinuierlich an und stellt so eine stetige Weiterentwicklung und eine hohe Therapiequalität sicher. Zudem besteht die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme via (Video-)Telefonie oder E-Mail, um persönliche Anliegen oder Therapieinhalte zu besprechen.

    Der Therapieplan kann beispielsweise folgende Inhalte umfassen:

    • Angeleitete bewegungstherapeutische Übungen zur Kräftigung der kniestabilisierenden Muskulatur, zur Verbesserung der Beweglichkeit und zur Schulung von Koordination und Gleichgewicht.
    • Module zur Wissensvermittlung, zur Förderung des Krankheitsverständnisses und zur Vermittlung von Fähigkeiten zum Selbstmanagement (z.B. Gelenkschutz im Alltag, Prinzipien der Schmerzbewältigung) sowie zur Bedeutung des Gewichtsmanagements.
    • Anleitungen zu Entspannungstechniken und zur Stressbewältigung, um den Umgang mit chronischen Schmerzen zu unterstützen.

    Dieses Modell der kombinierten Versorgung sichert eine hohe Motivation für das Heimtraining und der Umsetzung der in der Rehabilitation angestoßenen Lebensstiländerungen. Die zeitliche und örtliche Flexibilität erleichtert die Integration der Therapie in den lebensechten Alltag der Menschen. Ob eine solche digitale Nachsorge geeignet ist, wird in der Regel durch das Behandlungsteam in Abstimmung mit den Patienten während eines Rehabilitations-Aufenthalts entschieden und von den behandelnden Ärzten der Rehabilitationsklinik eingeleitet.

    Wichtig: Digitale Angebote wie Caspar Health sind als unterstützende Maßnahme zur Rehabilitation und zum Management der Symptome der Gonarthrose zu verstehen. Sie ersetzen nicht die grundlegende ärztliche Behandlung, eine notwendige medikamentöse Therapie oder die direkte Betreuung durch den behandelnden Arzt und Therapeuten vor Ort. Der Einsatz sollte immer in Absprache mit diesem Team erfolgen, um sicherzustellen, dass die Übungen für die individuelle Situation geeignet und sicher sind.

    Häufig Gestellte Fragen (FAQs) und Zusätzliche Ressourcen

    Im Folgenden finden Sie Antworten auf häufige Fragen sowie Verweise auf vertrauenswürdige Informationsquellen.
    Häufig Gestellte Fragen (FAQs):
    Ist Schonung bei Kniearthrose die beste Lösung?
    Kann die Ernährung meine Gonarthrose beeinflussen?
    Wann ist eine Knieoperation unumgänglich?
    Kann ich nach einem künstlichen Kniegelenk wieder Sport treiben?
    Helfen Knorpelaufbaupräparate wie Glucosamin oder Chondroitin?
    Zusätzliche Ressourcen: