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Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Ein umfassender Leitfaden zu Trauma, Behandlung und Genesung

Inhaltsverzeichnis

    Eine Posttraumatische Belastungsstörung ist eine mögliche psychische Folgereaktion auf ein oder mehrere extrem bedrohliche oder katastrophale Ereignisse. Es ist keine Schwäche, sondern eine normale Reaktion auf eine unnormale Situation. Jeder Mensch kann potenziell betroffen sein. Solche traumatischen Ereignisse überfordern die psychischen Verarbeitungsmöglichkeiten eines Menschen fundamental. Während viele Menschen nach einem Trauma mit der Zeit und der Unterstützung durch ihr soziales Umfeld wieder Stabilität finden, entwickeln einige Betroffene eine Posttraumatische Belastungsstörung. Schätzungen zufolge erleiden in Deutschland etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens eine solche Störung. Das Verständnis, dass es sich um eine behandelbare Erkrankung handelt, ist der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zur Heilung.

    Die Erkrankung verstehen

    Ein traumatisches Ereignis ist definiert als eine Situation von außergewöhnlicher Bedrohung, die bei den meisten Menschen eine tiefe Verzweiflung und ein Gefühl der Hilflosigkeit auslösen würde. Dazu gehören schwere Unfälle, körperliche oder sexuelle Gewalt, Kriegserlebnisse, Naturkatastrophen oder das Erleben des plötzlichen, gewaltsamen Todes eines anderen Menschen. Welche Situationen als traumatisch erlebt werden, ist allerdings stets sehr individuell und entsprechende Erlebnisse führen keinesfalls immer zur Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung.

    Das Kernproblem bei der Posttraumatischen Belastungsstörung ist, dass das Gehirn das traumatische Erlebnis nicht als abgeschlossene Vergangenheit im Gedächtnis abspeichern kann. Die Erinnerung bleibt fragmentiert und wird nicht in den normalen Lebenslauf integriert. Stattdessen fühlt es sich für den Betroffenen so an, als könnte die Gefahr jederzeit wiederkehren. Das Nervensystem verbleibt in einem Zustand ständiger Alarmbereitschaft. Diese "eingefrorene" Verarbeitung führt zu den typischen Symptomclustern der Erkrankung. Man unterscheidet hierbei zwischen verschiedenen Trauma-Formen, beispielsweise einmaligen Ereignissen (Typ-I-Trauma) oder langanhaltenden, wiederholten Traumatisierungen wie bei sie oft bei missbräuchlichen Situationen in der Kindheit vorliegen (Typ-II-Trauma), die teils zu einer komplexeren Symptomatik führen.

    Symptome und Diagnose

    Die Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung können direkt nach dem Ereignis oder auch erst Monate oder sogar Jahre später auftreten. Sie werden in vier Hauptkategorien unterteilt:

    1. Wiedererleben: Das Trauma drängt sich dem Betroffenen immer wieder auf. Häufig wird dies durch die Konfrontation mit äußeren oder inneren Reizen ausgelöst, die an das Trauma erinnern (sogenannte Trigger).
      • Flashbacks: Plötzliche, intensive und lebhafte Erinnerungen, bei denen der Betroffene das Gefühl hat, das Ereignis im Hier und Jetzt erneut zu durchleben.
      • Intrusionen: Aufdringliche, unerwünschte Erinnerungen, die oft einen Teilaspekt des traumatischen Erlebnisses abbilden (Gedanken, Bilder, Geräusche, Gerüche). Anders als beim Flashback, sind die Betroffenen sich bewusst, dass sie sich im Hier und Jetzt in einer anderen Situation befinden.
      • Albträume: Wiederkehrende, quälende Träume über das Ereignis oder dessen Aspekte.
      • Starke emotionale oder körperliche Reaktionen (z. B. Herzrasen, Schwitzen) bei Konfrontation mit Reizen, die an das Trauma erinnern .
    2. Vermeidung: Der Betroffene versucht bewusst oder unbewusst, alles zu meiden, was mit dem Trauma in Verbindung steht.
      • Vermeidung von Gedanken, Gefühlen oder Gesprächen über das Ereignis.
      • Vermeidung von Orten, Menschen oder Aktivitäten, die Erinnerungen auslösen könnten.
    3. Negative Veränderungen von Gedanken und Stimmung: Die Sicht auf sich selbst, andere und die Welt verändert sich negativ.
      • Anhaltende negative Überzeugungen ("Ich bin schlecht", "Niemandem kann man trauen").
      • Chronische Gefühle von Angst, Entsetzen, Wut, Schuld oder Scham.
      • Gefühl der Entfremdung von anderen; sozialer Rückzug.
      • Unfähigkeit, positive Gefühle zu empfinden.
    4. Veränderungen von Erregung und Reaktivität (Hyperarousal): Der Körper befindet sich in ständiger Alarmbereitschaft.
      • Erhöhte Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit und Wutausbrüche.
      • Selbstzerstörerisches oder riskantes Verhalten.
      • Konzentrations- und Schlafstörungen.
      • Ständige Wachsamkeit (Hypervigilanz).

    Diagnose:

    Die Diagnose wird von einem erfahrenen Psychotherapeuten oder Psychiater durch ein ausführliches klinisches Gespräch gestellt. Es gibt keinen Labortest, der eine Posttraumatische Belastungsstörung nachweisen kann. Der Therapeut erfragt die genauen Symptome, deren Dauer und den Leidensdruck sowie die ungefähren UmständeDetails des traumatischen Ereignisses, ohne den Patienten dabei zu überfordern. Standardisierte Fragebögen können die Diagnostik unterstützen. Eine körperliche Untersuchung dient dem Ausschluss anderer Ursachen für die Symptome.

    Häufig Gestellte Fragen (FAQs) und Zusätzliche Ressourcen

    Im Folgenden finden Sie Antworten auf häufige Fragen sowie Verweise auf vertrauenswürdige Informationsquellen.
    Häufig Gestellte Fragen (FAQs):
    Bin ich "verrückt", wenn ich eine Posttraumatische Belastungsstörung habe?
    Muss man über das Trauma im Detail sprechen, um gesund zu werden?
    Wie kann ich als Angehöriger helfen?
    Vergeht eine Posttraumatische Belastungsstörung von allein?
    Was ist der Unterschied zu einer akuten Belastungsreaktion?
    Zusätzliche Ressourcen:
    • Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT): Die führende Fachgesellschaft bietet auf ihrer Webseite Informationen und eine Therapeuten-Suchfunktion für zertifizierte Traumatherapeuten. https://www.degpt.de/
    • Trauma-Informations-Zentrum (TIZ): Bietet eine umfangreiche Sammlung von Informationen und Materialien für Betroffene, Angehörige und Fachleute. https://www.traumainfo.de/
    • Weißer Ring e. V.: Bietet als größte deutsche Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer praktische Unterstützung, Beratung und menschlichen Beistand. https://weisser-ring.de/
    • Gesundheitsinformation.de: Das unabhängige Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen liefert verlässliche und verständliche