Nachhaltiger Therapieerfolg und ein flächendeckendes Nachsorgeangebot mit Hilfe einer multimodalen Tele-Rehabilitationsplattform (digIRENA)
Die digIRENA-Studie ist durch die DRV Knappschaft-Bahn-See initiiert und wird durch das Bundesprogramm rehapro sowie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert.

Hintergrund
Trotz der Bedeutung der Nachsorge für die langfristige Gesundheit und Arbeitsfähigkeit von Patient*innen ist die Teilnahmequote an Nachsorgeprogrammen relativ gering. Aufgrund von beruflichen, z.B. Schichtdienst, oder familiären Verpflichtungen, wie Kinderbetreuung oder zu pflegenden Angehörigen, sind die herkömmlichen Nachsorgeprogramme nur schwer bis gar nicht in den Alltag integrierbar. Hier können webbasierte Nachsorgeprogramme, aufgrund ihrer zeitlichen und räumlichen Flexibilität, eine sinnvolle und gewinnbringende Alternative zu den traditionellen Face-to-Face-Programmen darstellen.
Die digIRENA-Studie ist durch die DRV Knappschaft-Bahn-See initiiert und wird durch das Bundesprogramm rehapro sowie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert. Das Institut für Sport und Sportwissenschaft des KIT führt die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation durch.
Ziele
Untersucht wird, ob sich durch das zusätzliche Angebot einer digitalen Nachsorge eine Verbesserung der Teilnahmequote bzw. eine Verringerung von Abbruchquoten von Rehabilitand*innen am IRENA-
Programm zeigt. Zudem wird die Wirksamkeit und deren Nachhaltigkeit bezüglich Arbeitsfähigkeit, subjek-
tiver Gesundheit und Motivation untersucht.
Ferner werden Praktikabilität, Benutzerfreundlichkeit und Akzeptanz der digitalen Nachsorge mit Caspar
überprüft.
Methodik
Es handelt sich um eine teilrandomisierte, kontrollierte Studie, die die Teilnehmer*innen drei Gruppen zuweist und miteinander vergleicht: Interventionsgruppe (digitales Nachsorgeangebot), IRENA-Gruppe (Präsenz-Nachsorge) und Kontrollgruppe (ohne Nachsorge). Die Teilnehmer*innen der Studie durchliefen zuvor eine orthopädische Rehabilitation und wurden in fünf Knappschafts-Kliniken rekrutiert.
Das digitale Nachsorgeangebot wurde mit der kombinierten Versorgung aus digitaler Therapie, auf Basis der Caspar Software, mit gleichzeitiger persönlicher Begleitung durch medizinisch-therapeutische Fachkräfte der Caspar Clinic durchgeführt.
Neben der Betrachtung der Abbruchrate wurden zu vier Erhebungszeitpunkten die Arbeitsfähigkeit (WAI), subjektive Gesundheit (SF-12) sowie intrinsische Motivation (BREQ-2) erfragt. Qualitativen Interviews mit Patient*innen und Therapeut*innen untersuchten Praktikabilität, Benutzerfreundlichkeit und Akzeptanz der digitalen Nachsorge.
Ergebnisse
Die Rekrutierung der Patient*innen erfolgte von Januar 2020 bis Oktober 2021. Insgesamt konnten 1.056 Patient*innen rekrutiert werden. Die Teilnehmenden waren zu 67,3% männlich und das mittlere Alter lag bei 54,2 Jahren.
Patient*innen der digitalen Reha-Nachsorge trainierten signifikant häufiger im Vergleich zur Präsenz-Nachsorge (p<0,05).
Für die Arbeitsfähigkeit sowie für die körperliche undpsychische Gesundheit zeigte sich eine signifikante Verbesserung im Verlauf des Untersuchungszeitraumes. Für die Arbeitsfähigkeit und die körperliche Leistungsfähigkeit zeigte sich diese Verbesserung sogar zugunsten der digIRENA-Gruppe. Die Motivation zeigt sich im Behandlungsverlauf beinahe unverändert. Über die Zeit und zwischen den Gruppen ist kein signifikanter Unterschied zu erkennen.
Fazit und Ausblick
Der finale Abschlussbericht mit weiteren Details zur Nachbeobachtung, zum Teilnahmebeginn und -umfang steht noch aus.
Bisher konnte gezeigt werden, dass die digitale Nachsorge mit Caspar Health die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit ebenso wie die herkömmliche Nachsorgeform verbessert, teilweise sogar zugunsten der digitalen Nachsorge. Sie stellt daher eine attraktive Alternative Präsenz-Nachsorge (IRENA) dar.
Quellen:
- Schmidt D, Fritsch J, Feil K, Weyland S, Rittmann LM, Jekauc D. Impact of digital and conventional rehabilitation aftercare on physical and mental health in orthopedic patients in Germany. Front Public Health. 2024 Jul 5;12:1344063
- Fritsch J, Feil K, Weyland S, Rittmann L, Schmidt D, Jekauc D. Studie zur Wirksamkeit einer digitalen Reha-Nachsorge In: Marco Streibelt, Susanne Weinbrenner und Thorsten Meyer (Hg.): 32. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium, 20. bis 22. Februar 2023. Hannover: DRV Schriften, Band 128, S.136-138.
- Jekauc D, Fritsch J, Ibelshäuser C, Klopp S, Feil K. Zwischenbericht - Nachhaltiger Therapieerfolg und ein flächendeckendes Nachsorgeangebot mit Hilfe einer multimodalen Tele- Rehabilitationsplattform. Karlsruhe: Institut für Sport und Sportwissenschaft, Technische Universität Karlsruhe; 2021.
- Jekauc D, Rayling S, Klopp S, Schmidt D, Rittmann L-M, Fritsch J. Effects of a web-based rehabilitation aftercare on subjective health, work ability and motivation: a partially randomized controlled trial. BMC Musculoskeletal Disorders. 2021. 22:366. doi: 10.1186/s12891-021-04239-z.


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